Von Ute van der Sanden

Dessau | Mitteldeutsche Zeitung | 24. Juni 2008


Der fröhliche Bassgeigenmann
Abschlusskonzert des 16. BernburgerKontrabass-Workshops im Schlossgarten von Mosigkau

Zauberhaft, diese Welt der Bassgeigen. Und sie verleiht Flügel! Wie sonst hätten es die 24 Teilnehmer des 16. Bernburger Kontrabass-Workshops geschafft, von Freitagnachmittag bis Sonntagabend praktisch ununterbrochen zu geigen und zwei Konzerte zu meistern?

In der Bernburger Schlosskirche und tags darauf im Schloss Mosigkau waren die Ergebnisse des mittlerweile traditionellen Bassistentreffens zu bewundern. Märchenhafte Resultate vom ersten Ton an: Wo schon wird die Filmmusik zu "Harry Potter" oder jene zur "Fabelhaften Welt der Amélie" vom Bassgeigen-Ensemble musiziert? Wo tritt ein Fünfjähriger auf, dessen feuerroter Bass das Anderthalbfache seiner Person misst? Wo sitzt das Vorschulkind neben dem Meister, klingt das Volkslied zur "Elegie" von Giovanni Bottesini?

Aus etlichen deutschen Bundesländern, aus dem europäischen Ausland und sogar aus Japan reisten Dozenten und Teilnehmer an, viele kamen zum wiederholten Mal. "Noch nie", freute sich Organsiator Ingo Burghausen, "waren die Kinder so aufmerksam, noch nie haben sie so intensiv wie diesmal mitgewirkt."

Richard Lehm heißt der jüngste Bassspieler Sachsen-Anhalts, er hat den kleinsten Kontrabass des Landes, einen Sechzehntelbass, und seit Mai Unterricht - bei Ingo Burghausen in der Grundschule am Akazienwäldchen. Das rote Instrument wurde mit Spenden finanziert, der Förderkreis der Musikschule half dabei. Nun zeigten Richard I. und die Kinder der Arbeitsgemeinschaft Kontrabass, was sie draufhaben: Leere Saiten zupfen und streichen, die richtige im rechten Moment, das ist allerhand. Die Geschwister Michelle, Paul, Sarah und Gina Willig aus Dessau vollzogen musikalisch, was sie ohnedies sind: ein Quartett.

Weil Burghausen, im Hauptberuf Solokontrabassist der Anhaltischen Philharmonie, nicht alle Workshop-Teilnehmer zugleich betreuen kann, hatte er sich wieder Verstärkung von Kollegen gesucht. Aus Berlin kam Simone Heumann, Wolfgang Kind begleitete am Klavier. Mette Hanskov von der Oper Kopenhagen führte vor, wie man einen Bass zum Singen bringt. Und Miloslav Gajdo aus Tschechien zeigte, wie rasant das brummige Gerät tanzen kann: Sein Csardas mit dem irrsinnigen Accelerando am Schluss riss die Zuhörer genauso hin wie die Operettenschnulze "Dein ist mein ganzes Herz", die er inbrünstig sang und begleitete. Auf Tschechisch!

Die Bassgeiger haben ihre liebe Not mit den Noten, denn es gibt für Kontrabass kaum Originalliteratur. Also wird bearbeitet: Tillmann Weber spielte Schumanns "Fröhlichen Landmann"; Mark Tzepluch, Nebenberufsmusiker in Schweden, eine Cello-Allemande von Bach. Schon Vierjährige, sagte Burghausen, seien imstande, Kontrabasszu spielen. Wo das hinführen kann, demonstrierte Holger Schultz, der sein erster Schüler in Dessau war und mittlerweile kurz vor dem Studienschluss steht - Kontrabass, was sonst. Simon hingegen bewies, dass es auch ohne pädagogischen Zeigefinger geht: Der Autodidakt musizierte im Duo mit Papa Burghausen. Woher er das wohl hat?

Ein Dankeschön galt dem Wetter, das sich, nachdem die ganze Gesellschaft für den zweiten Konzertteil nach draußen gezogen war, mit fliegenden Notenblättern begnügt hatte. Auf dem Schlossportal vereinigten sich Schüler und Studenten, Laien und Lehrer zumKontrabassorchester, beim "Schweinderl-Marsch" durften die Zuhörer rhythmisch grunzen, und es gab zu den tropischen Temperaturen die passende Musik: Mambo! Aber nach beinahe drei Stunden war Schluss. Sonst wäre aus der Bassgeigengala doch glatt eine Bassgeigendoppelgala geworden.

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